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Medical Bridge

Interfacekonzept als Ansatz zur Schließung der Lücke zwischen medizinischer Forschung und klinischer Versorgung.

Bessere Gesundheit ist kein Forschungsproblem, sondern ein Informationsproblem. Auf dem Weg der Entscheidungsfindung für die Therapie eines Patienten werden häufig Untersuchungen übersehen und deshalb falsche Schlüsse gezogen. So kommt es vor, dass Patienten behandelt werden, die nicht therapiebedürftig sind oder therapiebedürftige Patienten eine suboptimale Therapie erhalten. Dabei sollten nach dem Prinzip personalisierter Medizin immer mehr Merkmale des Patienten in dem Prozess der Therapiefindung mit dem Ziel berücksichtigt werden, eine individuelle Therapie mit einem Maximum an Sicherheit und Wirksamkeit zu bestimmen. Zusätzlich wird die Anwendung des neu erlangten Wissens dadurch erschwert, dass die Erkenntnisse erst nach einem langwierigen Prozess in der klinischen Versorgung überhaupt verfügbar werden. Das ehrgeizige Ziel der Diplomarbeit war es, diese Kluft zwischen Forschung und Versorgung zu überbrücken.

Um die konkreten Probleme zu identifizieren, wurde zunächst ein tiefer Einblick in die medizinischen Erkenntnisprozesse durch klinische Studien unternommen. Durch eine Vielzahl von Interviews und Literaturrecherche wurden dabei grundlegende Probleme identifiziert. Der Prozess der Diagnostik und Therapiebestimmung der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) diente als Beispiel für die Exploration von Möglichkeiten, Erkenntnisse aus der Forschung schneller für die Praxis verfügbar zu machen.

Die Recherche hat ergeben, dass primär in sog. Leitlinien das Wissen über therapeutische Entscheidungen und Prozesse festgehalten, referenziert und kommuniziert wird. Problematisch an den üblichen Leitlinien in Krankenhäusern ist jedoch, dass unterschiedliche Einrichtungen häufig unterschiedliche Leitlinien bei gleicher Diagnose verwenden, das DIN A4 Format maßgeblich für die Abstraktion der abzubildenden Information ist, und häufig veraltete Versionen im Umlauf sind.

Mit der Methode des Goal-Directed Design wurden Szenarien aus Sicht der Forschung und Versorgung entwickelt, welche sowohl die Modellierung seitens Forschung als auch und Nutzung seitens der Versorgung verbildlichen. Das darauf basierende Interfacekonzept skizziert eine Möglichkeit für die Forscher, medizinische Erkenntnisse systematisch abzubilden, mit der Quelle zu referenzieren und so für die behandelnden Ärzte nutzbar zu machen. Der Arzt wird durch das System an obligatorische und optionale Schritte in medizinischen Prozessen erinnert werden, die sukzessive per Checkliste oder durch Dateneingabe zur Bestimmung einer individuellen Therapie geleiten. So wird das höchste Ziel der modernen Medizin durch Technologie unterstützt, die Zuweisung von Patienten- und Krankheitsmerkmalen zu Therapiemerkmalen in aller notwendigen Feinheit zu erfassen und anwendbar zu machen. Die Sinnhaftigkeit des Konzepts wurde von Ärzten vielfach bestätigt und bietet eine Basis für die weitere Entwicklung im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Uniklinik Köln.

Sheydin Studio gestaltet Interaktionsabläufe, verwandelt Daten in Information und entwirft einzigartige Erscheinungsbilder … mehr

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